Freitag, 12. August 2016

Die Shannara Chroniken - Die Elfensteine, Teil 1 (Terry Brooks)

Sattes grün überzieht die Landschaft, Wasser, Menschen, Tiere alles wirkt harmonisch. Im Mittelpunkt ein Baum mit roten Blättern, der alles andere überragt und den Blick auf die Gebäude der Elfen freigibt. Man möchte gern selbst auf dem Fleckchen Erde verweilen, was mir hier so eindrucksvoll auf dem Fernseher präsentiert wird. Doch als das erste Blatt auf den Boden sinkt, offenbart sich eine grauenhafte, von Asche überzogene, mit Dämonen überwucherte Parallelwelt. So starten die Shannara Chroniken in der Fernsehserie und ich muss sagen ich war sofort gefesselt.
Das Buch musste her!

"Triumphierendes Kreischen und Heulen gellte aus der undurchdringlichen Schwärze, während Dutzende von klauenbewehrten Gliedmaßen zum Licht drängten und den Riss zu vergrößern suchten." (EBook Position 150)



Inhaltsangabe:
Der Ellcrys, der heilige Baum der Elfen stirbt und öffnet damit das Tor in die Welt der Dämonen. Mit jedem Blatt das fällt, wird der Weg frei für grauenhafte Kreaturen.
Nur die Tochter des Königs, Amberle Elessedil, kann ein neues Samenkorn pflanzen und somit das Tor erneut schließen.
Um das Samenkorn mit Leben zu füllen muss es zum Blutfeuer gebracht werden und dies setzt eine gefährliche und nervenaufreibende Reise durch den Wildewald vorraus.
Bei diesen Unterfangen soll ihr der Heiler Will zur Seite stehen, denn er besitzt die Elfensteine, wenngleich er nicht genau weiß wie man diese benutzt. Mutig stellt er sich der Aufgabe und beschreitet den Weg mit Amberle.

Rezension:

Ein kranker Baum, ein Held der nicht weiß das er einer ist und eine Elfin die eigentlich nichts mehr mit ihres Gleichen zu tun haben möchte. Dies kann man wirklich nicht zu guten Vorraussetzungen zählen, um die Welt vor dem Untergang zu retten.
Damit möchte man den Grundstein für ein hoffentlich spannendes Buch legen.
Durch eine komplex gestrickte Geschichte, unterschiedlich ineinander laufende Zeitlinien, interessante Charaktere und grauenhafte Dämonen wird hier ein Leseerlebnis kreiert. Der Autor schreibt wortgewaltig und dennoch mit einer Leichtigkeit was das lesen zu einem Vergnügen werden lässt.
Dabei lassen dies die Hauptcharaktere erstmal gar nicht vermuten. Die Protagnonisten möchten gar keine sein und erarbeiten sich erst langsam das Vertrauen diese verantwortungsvolle Aufgabe zu meistern. Genau das bringt dich gedanklich ganz nah an Amberle und Will. Somit natürlich auch tiefer in die Geschichte und bald kannst du gar nicht anders, als sie auf ihrer Reise begleiten.
Die Idee eines sterbenden Baumes in den Mittelpunkt zu rücken, um ihn herum eine Story zu weben und diese mit Leben zu füllen, war wirklich sehr erfrischend zu lesen.
Leider verliert der Autor sich ab und an in seinen detailreichen Erzählungen, was man aber durchaus mit einem Augenzwinkern betrachten sollte, denn es beschert dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Was dem einen zu viel erscheint, empfindet ein anderer vielleicht als zu wenig.
Die Elfensteine faszinieren und der Autor hat wahrscheinlich noch nicht die ganze Kraft der Steine preisgegeben, was dem nächsten Buch der Reihe Tür und Tor zum Kauf öffnet.

"Zeit! Darauf lief alles hinaus." (EBook Position 3165)

Fazit:

Gelungenes Buch mit einer erfrischenden Story, wunderschönen Erzählungen, liebenswerten Charakteren und auch einigen Kreaturen die man gerne selbst in die Parallelwelt befördern möchte. Flüssiges lesen ist garantiert.
Dennoch muss ich sagen das mich die Fernsehserie noch ein klein wenig mehr gefangen genommen hat, als das Buch. 

Freitag, 22. Januar 2016

Himbeermond (Colors of Life 1; Mella Dumont)

Hallo meine Lieben,
ich melde mich zurück mit "Himbeermond" von Mella Dumont. Wunderschönes, anziehendes Cover was zum Griff ins Bücherregal ermutigt. Aufgrund der Optik wanderte meine Hand automatisch zum Buch. Ich musste doch wissen, was sich hinter dem schönen Anblick versteckt.


Inhaltsangabe:


Lina beginnt ein Studium in Trier, sehr zum Ärger ihrer Familie. Die sind strickt gegen diese historische Stadt, was Lina gar nicht nachvollziehen kann. Nichtsdestotrotz setzt sie sich durch und zieht mit ihrer besten Freundin Angie in eine WG. Der neue Lebensabschnitt konnte beginnen. Als Lina aber anfängt farbige Auren bei jedem Menschen zu sehen, glaubt sie erst an Halluzinationen, aber bald stellt sie fest das hinter den ganzen Farben Gefühle stecken. So poltert Lina ungewollt immer wieder in Situationen hinein, die sie auf kurz oder lang in ernste Schwierigkeiten manövrieren. Langsam dämmert ihr, warum ihre Familie dagegen war sich in Trier für das Psychologie Studium einzuschreiben. Des Rätsels Lösung beginnt bereits bei Linas Oma und ihrer kranken Tante Mel, nur wo und nach was soll sie suchen? Dann erscheint auch noch der wunderschöne Leo in ihrem Leben und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Rezension:

Mit Himbeermond beginnt eine farbenfrohe Reise durch die Buchseiten. Liebevolle Charaktere bilden das Grundgerüst dieser Geschichte und sorgen damit auch für ein ereignisreiches Lesevergnügen. Allem vorran ist es Linas Freundin Angie. Sie ist der Motor in der Mädchen-WG, aufgeweckt, quirlig und tatendurstig und mit einer gehörigen Portion Liebenswürdigkeit schleicht sie sich in des Lesers Herz. Lina ist genau das Gegenteil, was sie nicht weniger sympathisch erscheinen lässt. Sie liebt die Ruhe, steht ungern im Mittelpunkt und möchte sich hauptsächlich auf ihr Studium konzentrieren. Genau diese Gegensätzlichkeiten lassen es in der WG nie langweilig werden. Leo sorgt für ein nötiges Gleichgewicht und ist der Fels in der Brandung für Lina.

Dieses Buch hebt sich in sofern von den normalen Fantasy-Romance Geschichten ab, weil sie eben nicht mit fremden Wesen aufwartet und nicht in Phantasiewelten spielt. Das Konzept ist der Autorin gut gelungen und macht Lust auf mehr. Ein mit ausreichend Spannungsbögen versehenes Werk, was keine Zeit für Langeweile aufkommen lässt. Schnell findet man in die Geschichte hinein und hat Schwierigkeiten sich von ihr zu lösen. Der locker leichte Erzählstil macht es möglich. Inzwischen sind ja auch schon Band 2 und 3 erhältlich. Wer also mag kann sich weiter mit der Farbenlehre beschäftigen.

Fazit:

Wirklich gute Unterhaltung. Interessant, spannend mit einem Schuss Romantik, alles was ein Frauenherz begehrt. Ich persönlich, fand Darko, Leos Cousin fast besser ausgearbeitet als Leo selbst. Aber das ist oft bei "Bösewichtern" so, sie sind halt geheimnisvoller.
Lasst euch einfach entführen in die Welt der Auren und Farben. Ich für meinen Teil geh mal schauen ob mein Mann auch in Himbeerrot strahlt. 

Donnerstag, 5. November 2015

Federleicht-Wie fallender Schnee (Marah Woolf)

Federleicht-Wie fallender Schnee (Marah Woolf)

Wenn ich heute aus dem Fenster schaue sehe ich eher fallenden Regen und das ist ein Dauerzustand. Das Gute daran ist, man kann sich auf die Couch kuscheln, Kamin anwerfen und ein Buch lesen. Mein Sohn hat Besuch, das heißt Mama hat Ruhe und kann sich dem Schreiben widmen. Also schnell, bevor die Waschmaschine ihren Dienst beendet und mich penetrant daran erinnert das sie ausgeräumt werden möchte. Vielleicht sollte man ganz einfach durch ein Tor treten und in die Elfenwelt abtauchen. Da ist sicherlich besseres Wetter und es gibt bestimmt auch keine Waschmaschinen, oder Marah?

Inhaltsangabe:


Federleichtsaga
Als Eliza durch ein Portal tritt, was sie oft in ihren Träumen gesehen hat, landet sie im Reich der Elfen. Dort trifft sie auf den eigenwilligen Cassian der sie in Leylin begleiten soll. Es dauert nicht lange bis ihr Larimar den wahren Grund ihres Aufenthaltes bei den Elfen offenbart. Sie soll einen gestohlenen magischen Gegenstand zurückbringen. Dafür setzt man sie gehörig unter Druck, aber Eliza ist nicht so naiv wie manch ein Elf denkt. Natürlich gehört auch eine Menge Glück dazu, aber letztendlich beweist Eliza was in ihr steckt und erweicht ganz nebenbei ihr Herz für einen ganz bestimmten Elfen.





Rezension:


Federleicht ist hier wirklich Programm. Zügig fliegt man von einer Seite zur nächsten. Flüssiges lesen ist garantiert. Marah schafft es mit einer Leichtigkeit den Leser in die Geschichte zu bringen. Das imaginäre Tor zur Elfenwelt verbirgt sich anscheinend hinter dem Buchdeckel. Nur zu gern würde man dem Troll Quirin begegnen, Frazers Charme erliegen, Cassian Kontra geben, oder mit Sky vor dem Fernseher Chips essen.
Rundherum gelungene Charaktere kreieren eine Wohlfühlatmosphäre beim lesen. Jeder einzelne sorgt dafür, dass die Geschichte sich zu einem zauberhaften Abenteuer zusammensetzt. Die Autorin lässt dich die blühenden Straßen erleben, glitzernen Getränke sehen und Essen riechen. Beispiele aus bekannten Filmen und dessen Figuren machen es einfach sich etwas präzise vorzustellen. Hier ist der Vergleich mit der Schneekönigin für mich am besten gelungen. Die Grundidee birgt keine größeren Überraschungen, aber die Geschichte entwickelt sich zusehends. Nach und nach fügen sich die Stücke zusammen, Geheimnisse werden aufgedeckt und der Cliffhanger am Schluss ist das i-Tüpfelchen.

Fazit:


Gelungener Start! Locker leichte Geschichte, mit einem gelungenen Wortwitz, bissigen Kommentaren und einer ausgewogenen Portion Liebe. Marah nimmt dich spielend mit ins Reich der Elfen. Perfekt!

Montag, 5. Oktober 2015

Wenn der Rabe ruft (Maggie Stiefvater)

Frische Ostseeluft streicht mir um die Nase, man riecht das Meer. Die Sonne scheint mit voller Kraft und sorgt für wohlige Wärme. Da fühle ich mich zu Hause. Dieses Jahr war mal Entspannungsurlaub in der Heimat angesagt. Nur Faulenzen und Baden standen auf dem Plan. Ich habe endlich mal geschafft mehrere Stunden am Stück zu lesen. Es war zum Hexenkessel, der sich in der Mitte Deutschland ausgebreitet hat und mit 35 Grad für stickige Luft sorgte, eine Wohltat an der Küste. Frischer Wind sorgte immer für die richtige Mischung von Wärme und Erfrischung. Allerdings hatte die Ostsee nur 15 Grad, das war auch für mich eine Herausforderung. Dann blieb halt mehr Zeit für Strand und Buch! Mich begleitete die ersten Tage "Wenn der Rabe ruft" von Maggie Stiefvater. Und damit sind wir schon beim Thema.

Inhaltsangabe:



Ein hellblaues Haus im Fox Way, vollgestopft mit Frauen die Weissagungen zum täglichen Geschäft auserkoren hatten und dazwischen ein Teenager. So kannten die Anwohner von Henrietta die eigenwillige Lebenssituation von Maura Sargent.
Ihrer Tochter Blue fehlt allerdings die Gabe in die Zukunft zu sehen, dafür treffen die Vorraussagen ihrer Mutter, deren Freundinnnen und der Halbtante meistens in Schwarze. So auch die Wahrsagung das Blue ihre große Liebe mit dem ersten Kuss töten wird. Ein schweres Päckchen muss sie da mit sich rumschleppen. Besonders heikel wird die Situation, als Blue die eingeschworene Jungs-Clique der Aglionby Academy kennenlernt. Schnell fühlt sie sich dazugehörig und begibt sich mit ihnen auf eine Suche die von alten Mythen, Ruhm und Ehre erzählen. Sie deckt lang verborgene Geheimnisse auf, die nicht nur König Glendower betreffen.

Rezension:

"Nach dem Sommer" war das erste Buch was ich von Maggie Stiefvater in den Händern hielt. Mit dementsprechender Begeisterung schlug ich "Wenn der Rabe ruft" auf. Die Inhaltsangabe klang vielversprechend. Eine geheimnisvolle Suche verspricht meistens Spannung und eine Clique Jungs kann nie verkehrt sein.
Die Hauptakteure Gansey, Adam und Blue sorgen für das nötige Salz in der Suppe. Mit Rückblenden werden uns die Lebensgeschichten näher gebracht und damit auch die dazugehörigen Nebenfiguren perfekt eingefügt. Die Charaktere könnten unterschiedlicher kaum sein und das lässt uns Frau Stiefvater mit emotionalen Szenen spüren. Häusliche Gewalt, Sorglosigkeit, Existenzängste, Wagemut gehören ebenso dazu, wie der ganz normale Alltag eines Teenagers.
Mir fiel es ziemlich schwer in die Geschichte hineinzufinden und das obwohl ich meistens wirklich mit meinem Buch, dem Meer und dem Wind allein war. Mehrmals fragte ich mich, wo der mir bekannte Schreibstil der Autorin verloren gegangen ist. Etliche Textpassagen waren verwirrend. Häufig wusste man nicht welcher Charakter gerade spricht und somit ordnete man deren Eigenschaften falsch ein. Das führte dann dazu, dass man sich nicht auf die Geschichte konzentrieren konnte, weil man ständig versuchte herauszufinden, welcher Satz gerade von wem gesprochen wird. Dies lag auch nicht an einem hohen Sprachniveau. Es ist dem jugendlichen Leser angemessen zugeschnitten.
Letztendlich ist es der Liebe zum Detail und der erzählenswerten Geschichte zu verdanken, dass der Leser bei der Stange bleibt. Die Story bringt im Grunde alles mit, die spannenden Handlungsstränge verwoben mit dem zwischenmenschlichen Unwegbarkeiten lassen einen niemals gänzlich los. Da ist noch viel Luft nach oben und ich hoffe das nächste Buch bringt dies mit.


Fazit:
Ich bin immernoch hin- und hergerissen, einerseits finde ich die Story perfekt, andererseits ist mir der Schreibstil zu unsortiert. Die Charaktere haben großes Potenzial. Die Rahmenbedingungen verfolgen interessante Ansätze, leider verlieren sich einige davon im Nichts. Dennoch ist es die Grundidee, die dafür sorgt, dass man gerne wissen möchte wie sie sich fortsetzt.
Ich persönlich, habe mir für den doch höheren Buchpreis viel mehr erhofft.
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Hier ist guter Rat teuer. Da fallen mir noch mehr so Floskeln ein, aber ehrlich, probiert es selbst aus.

Sonntag, 2. August 2015

The Diviners (Libba Bray)

Aller Anfang ist böse ...

Sie wandelt
in deinen Träumen.
Sie kennt deine
dunkelsten Geheimnisse.
Sie ist ein Diviner.

Als ich auf die Seite von dtv-Verlag aufmerksam wurde, war sofort meine Neugier geweckt. Das Cover machte Lust auf mehr und die Leseprobe startete nicht schlecht. Warum also nicht probieren, ist sicherlich unterhaltsam. Ich stellte mir eine Geschichte nach üblichen Schema vor (Held mit Kräften, besiegt Bösewicht) inklusive ein paar Gruselanteilen. Weit gefehlt. Libba Bray hat mich mit diesem Buch mehr als überrascht. Bis jetzt ist es mein persönlicher Lesehochgenuss in diesem Jahr. Ein gelungener Mix aus Krimi, Fantasy und Horror. Zusammengepackt mit den 20er Jahren und New York ist das Buch mehr als gelungen. Ich schweife ab, also nun zur Rezension, habe ja dabei noch genug Zeit um mich auszulassen!

Inhaltsangabe:

Evangeline O'Neill ist anders. Persönliche Gegenstände anderer Menschen offenbaren ihr die dunkelsten Geheimnisse, oder einfach nur das tägliche Mittagsessen. Evie steht gerne im Mittelpunkt und ist schnell gelangweilt. Sie gehört zur Generation der Flapper, wo das Regeln brechen und der persönliche Spass, inklusive des Alkoholgenusses, an erste Stelle rückt. Der Verlust ihres Bruders durch den Krieg und die Aufdiktierung damenhafter Regeln durch ihre Eltern, lässt Evie fast ersticken. Bei jeder Gelegenheit bricht Evie aus dem auferlegten Zwang aus. Als sie auf einer Party dem reichsten Erbe der Stadt mit ihrer Gabe das Geheimnis entlockt eine Affäre mit einem Dienstmädchen zu haben, reicht es ihren Eltern. Das Ansehen der Familie steht auf dem Spiel, somit wird Evie aus Ohio weggeschickt und bei ihrem Onkel in New York einquartiert. Was sie dort erlebt hätte sie sich in keiner ihrer Träume ausmalen können und die sind schon gruselig genug.
Nicht nur das New Yorker Nachleben ist der Wahnsinn, sondern auch das was in den dunklen Ecken der Stadt passiert.

Rezension:

Libba Bray schafft es den Leser, mit samt den dazugehörigen Gefühlen, in das Buch mitzunehmen. Du stehst neben der Protagonistin Evie und erlebst hautnah jeden Windhauch mit. Nicht nur Evie ist tiefgründig und lebendig dargestellt, sondern auch sämtliche Charaktere die mit Evie die Seiten des Buches füllen. Am Eindrucksvollsten sind die Rückblenden, die an der Intensität der Emotionen kaum zu übertreffen sind.
Durch die Ausflüge in die Vergangenheit geriet ich am Anfang des Buches häufig auf den falschen Weg und suchte den Mörder an falscher Stelle. Auch fragte ich mich, wo der Fantasy-Anteil in diesem Buch wohl steckt. Lange Zeit blieben Evies Visionen das einzige paranormale in der Geschichte. Nach und nach spann die Autorin weitere fantasyreiche Fäden und brachte das Buch behutsam zu einem ganzen Feuerwerk an Enthüllungen. Mit jeder Seite wuchs die Spannung, was das Lesevergnügen zu unterbrechen fast unmöglich machte.
Wortgewandte Sätze erzeugten komplexe Stimmungen und kreierten Schauplätze die fast real wirkten. Selbst das Kratzen in Evies Hals spürte man selbst.

Auf dem Weg zum Duschraum war alles ruhig im Gang. Ich weiß noch, wie sauber der Boden war, fast wie ein Spiegel. Ich musste ein neues Loch in den Gürtel hineinbohren, um ihn an seinem Hals befestigen zu können. ...

Evies Kehle war trocken, aber sie wollte nicht nach ihrem Wasserglas greifen. Sie schluckte, um das Kratzen in ihrem Hals zu lindern, ...
(Seite 619/620)

Die Autorin betrieb im Vorfeld eine aufwendige Recherchearbeit. Das Grundgerüst der 1920er erlaubt einen fundierten Einblick in das Leben. Die Probhibition, die grandiosen Shows, die Flüsterkneipen und funkelnde Abendgarderobe bestimmen das New Yorker Nachtleben. Libba Bray verbannt den Flair dieses Jahrzehnts in die Seiten und lässt die Zeit auferstehen.
Auch die dunkle Seite wird nicht ausgelassen.Die Emanzipation hält Einzug, was oft genug für Zündstoff sorgt. Der Konsum von Zigaretten wird beschönigt. Der Alltag wird bestimmt von Korruption und Rassismus. Die goldenen Zwanziger waren ein Kontrastprogramm zwischen Armut und zauberhaften Revuen für die Besserverdienenden.


Tommy dachte nach. In seinem kurzen Leben hatte er die Erfahrung gemacht, dass man bei den meisten Geschäften über den Tisch gezogen wurde. Und der Gedanke, durch die langen Reihen mit diesen toten bleichen Schweinen laufen zu müssen, um dem Fremden seinen Stock zu holen, schreckte ihn. ...
(Seite 215)

Sie hielt die Zeitung in die Höhe. "Tommy Duffy. Zwölf Jahre alt", sagte Will leise.
(Seite 226) 

Libba Bray pflastert den Weg mit schockierenden und grausamen Morden, aber überflutet den Leser nicht mit haarkleinen Details, sondern lässt der eigenen Fantasie genug Raum sich ein eigenes, selbst behagendes, Bild auszumalen. Die harten Fakten folgen meist nur noch als Mittel zur Vervollständigung der Berichterstattung, was dennoch für ein flaues Bauchgefühl sorgte.
Dann ist da noch dieses Lied. Es zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch und sorgt für gehörig Gänsehaut.
Gespannt? Kann man durchaus sein! Hört rein:






Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Showdown. Spätestens da erreicht dich die Fantasywelle mit voller Wucht, ob dies für den einen oder anderen zu spektakulär daherkommt liegt im Auge des Betrachters.



Persönliches Fazit:

Ich bleibe definitiv an der Reihe dran. Laut Autorin soll es vier Teile geben. Also ich kann es eigentlich gar nicht erwarten das nächste Buch in den Händen zu halten. Die Geschichte ist rundherum stimmig. Eine intensive Atmosphäre und fabelhafte Charaktere banden mich ans Buch und katapultiertem mich mitten hinein in die goldenen Zwanziger und die Geschichte um Evie O'Neill. Eine glatte Eins für diese Leistung!

Lesehochgenuss 2015 

Dienstag, 28. Juli 2015

Maulwurfstadt - Torben Kuhlmann

Hallo meine Lieben,

fast genau vor einem Jahr stellte ich euch Torben Kuhlmanns erstes Werk vor. Dabei ging es um eine fliegende Maus, erinnert ihr euch vielleicht? Lindbergh hat uns die Welt des Fliegens näher gebracht.
In seinem neuen Buch geht es dieses mal um Maulwürfe. Ihr kennt sie sicher, mal mehr und mal weniger beliebt, sind die winzigen Erdschaufler. Da können Gartenbesitzer sicherlich auch ganze Bücher mit füllen, allerdings wären die dann nicht kindergerecht. Ich persönlich finde sie ja niedlich, aber man bekommt sie selten zu sehen, denn sie leben unter der Erde und sind ziemlich scheu. An dieser Stelle einen Dank an den NordSüd Verlag, die mir dieses Buch für meinen Blog zur Verfügung gestellt haben.

Inhaltsangabe:


Das Buch startet mit einem einzigen Maulwurf und einem einzigen Maulwurfshügel mitten auf einer Wiese. Herr Kuhlmann präzisiert dies in knapp 4 Sätzen und damit beginnt die Entwicklung der Stadt Moletown. Bald ist der Maulwurf nicht mehr allein, denn viele andere besiedeln ebenfalls das Land. Und sobald man sich versieht platzt die Stadt aus allen Nähten. Jeder winzigste Teil Natur muss der Gesellschaft weichen.




Rezension:

In diesem Buch lässt der Autor, oder sollte man in diesem Fall lieber sagen Illustrator, Zeichnungen sprechen. Eine Idee, die sich für Kinder ab 7-8 Jahren durchschauen lässt. Die Kleineren brauchen die Hilfe ihrer Eltern, um so ein komplexes Thema zu verstehen, oder überhaupt damit in Verbindung zu bringen.Aber auch als Bilderbuch sind die Maulwürfe sehenswert. Denn die winzigen Buddler stehen bald vor einem großen Problem.
Die Natur muss weichen und auf jedem noch so kleinen grünen Fleck muss es doch möglich sein etwas zu bauen. Ein Wandel der den Kindern manchmal Angst einflösst. Jeder Baum der einem Haus weichen muss, wird von meinen Kindern betrauert und auch die Möglichkeit sich frei in der Natur zu bewegen wird unserem Nachwuchs immer häufiger verwehrt, denn manchmal bleibt kaum Natur übrig. Ich kenne das aus meiner Kindheit noch anders. Wie oft sind wir nach dem Frühstück ins Freie und haben  zwischen Sträuchern und Bäumen Höhlen gebaut, oder Verstecken gespielt? Inzwischen kann und will man seine Kinder nicht mehr unbeaufsichtigt in die Natur entlassen.
Torben Kuhlmann greift das Thema auf und erschafft in wenigen Seiten eine moderne Welt, die nicht allen so gefällt. Dies transportiert er mit seinen altbekannten warmen, sepiafarbenen Bildern, die im völligen Kontrast zum modrigen, kalten Erdreich stehen.
Wie man es gewohnt ist, sind die Zeichnungen filigran, detailliert und beeindruckend. Auf jeder Seite lassen sich zahlreiche Dinge entdecken, was nicht nur den kleineren Lesern Spass machen wird.

Persönliches Fazit:

Ein Muss für alle Fans von Herrn Kuhlmann. Wunderschöne Illustrationen zieren die Seiten dieses Buches. Warme Farben schaffen blitzschnell eine Wohlfühlatmosphäre und fesseln dich an die Bilder. Es gibt viel zu entdecken und das Thema regt die älteren Kinder zum Nachdenken an, für die Kleineren fehlt mir etwas mehr erklärender Text.

Freitag, 10. Juli 2015

Wenn du denkst ... (Bilder einer Gartenstadt)

"Das ist aber ein komischer Eiszapfen!" So klang der erste Gedanke unserer Tochter beim Anblick, eines doch komischen Eisgebildes, was von unserem Terrassendach hing. Als wir nach dem Urlaub unsere Jalousien zur Terrasse öffneten, staunten wir nicht schlecht. Jaaaa ... komisch allemal, aber auch einmalig! Sowas bekommt man nicht oft zu sehen. Schnell holte ich meine Kamera, Eile war geboten, denn die Lichtverhältnisse waren sowieso schon nicht mehr die Besten. Dennoch hat mein Schnappschuss inzwischen die Runde gemacht.
Annabellaswelt


Das Bild schaffte es auf eine riesige Leinwand, die jetzt unseren Flur verschönert. In einen Kalender und nun schließlich in ein Buch.









Mit dem Buch waren sie ja bei mir richtig. Stelle ich doch ab und an mal ein paar Bücher vor.*grins*
"Bilder einer Gartenstadt" wurde herausgegeben von der Auenländer GmbH und zeigt die Entwicklung der Havelauen in Werder.
Auch die Fotoliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Das Buch ist voll mit liebevoll arrangierten, faszinierenden, gezielt ausgesuchten, perfekt inszenierten und beeindruckenden Schnappschüssen.



Als ich vor 12 Jahren das erste Mal meinen Fuß auf dieses Fleckchen Land setzte, war hier außer ein wenig Industrie und eine Handvoll Reihenhäusern nicht viel, außer jeder Menge wunderschöner Natur. Die Ruhe und das viele Grün bewogen uns ein Häuschen zu kaufen. Inzwischen ist es nicht mehr ganz so ruhig, dafür bieten sich uns "Auenländern" viele andere attraktive Möglichkeiten.
Wir konnten zuschauen beim wachsen der Havelauen. Von einem Freund liebevoll als "Feindesland" betitelt, sind wir doch inzwischen ein Stück gewachsene Geschichte eines großen Ganzen. Wir fühlen uns hier pudelwohl.
Der Bildband und die darin enthaltenen Eindrücke spiegeln genau dies wieder. Wenn ihr es noch nicht seit, lasst euch verzaubern von den Havelauen, sei es bei einem Urlaub oder wenn ihr in der Nähe wohnt und die Zeit es in eurem Alltag zulässt.

In diesem Sinne ...



Eure Annabella